Der Tanz steht im November in Karlsruhe für drei Wochen ganz oben an, doch ob dies in diesem Jahr auch so sein könnte, blieb lange unklar. "Wir hatten schon im Februar tanz karlsruhe fertig geplant, und dann mussten wir komplett alles neu aufstellen", sagt der Festivalleiter und Tempel-Geschäftsführer Martin Holder. "Wir hatten zwischenzeitlich schon nicht mehr daran geglaubt, aber besonders das Atoll-Festival hat uns motiviert, dass das, was die Artisten können, auch den Tänzerinnen und Tänzern möglich sein müsse." Schließlich können beide Künstlergruppen auf körperliche Kontakte schwerlich verzichten.
Hier wie da gilt es kreative Konzepte zu entwickeln, wie man pandemiebedingte Abstandshaltung mit spannenden Aufführungen verbinden kann. Unter dem Titel "Open Lab für Medienkunst und Tanz" stehen denn am 11. und 12. November mit der kanadischen Van Grimde Corps Secrets und ihrer interaktiven Performance "Eve 2050" sowie am 14. und 15. November mit dem "Swan Lake" der aus den Niederlande anreisenden #fClub Guy & Roni + Slagwerk Den Haag + Tomoko Mukaiyama zwei Punkte im ZKM auf dem Programm, die mit der klassischen Form des Tanzabends experimentieren. Insbesondere die Holländer haben sich mit ihrer aktuellen Auseinandersetzung mit einem klassischen Ballettstoff mit den gegenwärtigen Einschränkungen auseinandergesetzt und eine spezielle Spielform entwickelt, bei der das Publikum zeitversetzt zu verschiedenen Stationen wechselt und darüber hinaus auch sein eigenes Ende wählen kann.
Während die Festivalmacher zum Auftakt am Dienstag, 3. November, mit der langen Nacht der kurzen Stücke ins geräumigere Tollhaus umziehen, die Anzahl der Beiträge reduzieren und dafür die Spielzeit für einen Überblick über die baden-württembergische Tanzszene gebenden Formationen verlängern, scheint der Abend mit den Preisträgern des 24. internationalen Solo-Tanz-Theater Festivals am 16. November im Kulturzentrum Tempel auf den ersten Blick wie für die Corona-Zeit wie geschaffen. Doch hier versteckt sich die Tücke hinter den Reiseeinschränkungen.
Sowohl der Drittplatzierte aus Burkina Faso als auch die Zweite in der Sparte Tanz, Anat Oz aus Israel, können unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht nach Karlsruhe kommen. Die Internationalität des Festivals bleibt freilich dennoch gewährleistet, alleine schon durch die multinational zusammengesetzte Compagnie tanzmainz (Foto), die mit „The Cell“ ein herausragendes Tanzereignis verspricht. Der taiwanesische Choreograf #fPo-Cheng, ein bereits vielfach ausgezeichneter Vertreter der jungen asiatischen Tänzergeneration, gilt als Shootingstar der internationalen Tanzszene. In seinen Choreografien verarbeitet er auf mitreißende alle möglichen Einflüsse urbanen Lebens, wovon man sich am Dienstag, 17. November im Karlsruher Tollhaus überzeugen kann.
> tanz karlsruhe, 3. bis 22. November 2020, Kulturzentren Tempel und Tollhaus, ZKM, Kinemathek Studio 3, Tanztribüne, Badisches Staatstheater